2020: PROJEKT „BEPS 2.0“

Digitalisierung und Mindestbesteuerung

Die Besteuerung digitaler Unternehmen wie Google, Amazon und Alibaba stellt Steuerbehörden weltweit vor grosse Herausforderungen.

Die Steuergesetze widerspiegeln die Businessmodelle der Vergangenheit und erfassen die Industrie 4.0 mit den disruptiven Geschäftsmodellen nicht in genügender Art und Weise. Der Fokus der heutigen Steuergesetze liegt hauptsächlich bei der physischen Präsenz der Unternehmen in den jeweiligen Jurisdiktionen. Die fortschreitende Digitalisierung der vergangenen Jahre zeigt, dass Unternehmen auch in Ländern Umsätze generieren, in welchen sie selbst keine Ansässigkeit begründen. Um die erwirtschafteten Gewinne steuerlich zu erfassen, setzen Staaten vermehrt auf unilaterale Massnahmen. Dies birgt international die Gefahr einer Doppel- und Mehrfachbesteuerung.

BEPS 2.0 – Pillar 1 & Pillar 2

Das erklärte Ziel der OECD und G20- Staaten ist, das weltweite Besteuerungskonzept so weit zu harmonisieren, dass eine schädliche Gewinnverschiebung und Gewinnverlagerung nicht länger möglich ist. Der erste Schritt wurde mit dem Abschluss der ersten Phase des Projekts Base Erosion and Profit Shifting, kurz BEPS, erreicht. Inhalt der ersten Phase war es, insbesondere eine höhere Transparenz für die unterschiedlichen Steuerstaaten einzuführen. Dabei wurde die Problematik der Besteuerung der digitalen multinationalen Unternehmen erkannt. Die OECD und G20-Staaten starteten denn im Jahr 2019 das Projekt «BEPS 2.0», welches auf die Besteuerung von digitalen multinationalen Konzernen fokussiert. Das Projekt baut auf zwei Säulen, Pillar 1 und Pillar 2 auf, wobei Pillar 1 eine neue Zuordnungslogik für die erwirtschafteten Gewinne fordert. Dabei wird die Prämisse verfolgt, dass die erwirtschafteten Gewinne auch in dem Land zu versteuern sind, in welchem sie erzielt werden. Pillar 2 ist als flankierende Massnahme zur ersten Säule zu verstehen. Sie beschäftigt sich mit der Etablierung eines Mechanismus, welcher in allen Ländern ein minimales Besteuerungsniveau sicherstellt. Ziel dieses Mechanismus ist es, die Gewinnverschiebung in Niedrigsteuerländer zu verhindern. Aktuell befindet sich das Projekt in einer fortgeschrittenen Konzeptphase. Trotzdem kann bereits heute davon ausgegangen werden, dass die neu definierten Regeln weitreichende Folgen für multinationale Unternehmen nach sich ziehen werden. Eine neue Regulierungswelle rollt auch in Richtung Liechtenstein an.

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